Da sahen die Eispiraten des ESC Dorfen nach etwas mehr als zwei gespielten Minuten des Schlussdrittels und dem Treffer zum 5:2 durch Lucas Breault wie sichere Sieger aus und mit dem 8:2-Sieg vom Freitag schien das Final-Ticket gebucht. Was sich dann am späten Sonntagabend im Hexenkessel des Pegnitzer Freiluftstadions vor den 450 Zuschauern abspielte, muss man wohl selbst gesehen haben, um es nachvollziehen zu können.
„Die Zuschauer sorgten bereits im zweiten Drittel für hitzige Stimmung, die standen gefühlt schon fast direkt an unserer Spielerbank und da flog auch mal ein Bierbecher“, erzählt ESC-Sportleiter Reiner Geier. Trainer Tobi Brenninger verlangte von den Schiedsrichtern, für mehr Sicherheit zu sorgen und dann wurde ein halbes Dutzend Securities zur ESC-Bank beordert. Die Strafzeiten passierten aber auf dem Eis. „Die waren auch zum Teil berechtigt und dass wir so in die Bredouille geraten sind, daran waren sicher nicht die Schiris allein schuld“, muss Geier zugeben.
„Pegnitz ist auch kein Gegner, den du im Vorbeifahren besiegst“, stellt Geier klar „und am Ende war’s ein umso schönerer Sieg und jetzt freuen wir uns auf den Start ins Finale mit dem Heimspiel am Sonntag gegen Haßfurt“. Zu diesem „ganz besonderen Sieg“ legte Tobi Brenninger noch was drauf: „Wenn du die letzten zehn Minuten zum Großteil mit zwei Mann weniger spielst, so ein Spiel gewinnst und eine Mannschaft so etwas geschafft hat, das macht was mit ihr“. Sichtlich groggy meldete er sich am Montagvormittag am Telefon, „denn um 2 Uhr morgens bin heim gekommen nach so einem Spiel, um 5.30 Uhr musste ich wieder aus dem Bett“.
Brenninger zur Strafzeitenflut: „Es wurde immer emotionaler und dann wurden auch mal Sachen gepfiffen, die man nicht unbedingt pfeifen musste. Auch wenn es dann heißt, ihr habt so erfahrene Spieler und Ex-Profis in euren Reihen, da schaukeln sich die Emotionen einfach immer höher“. Zu den fünf Minuten plus Spieldauer gegen Jakub Naar: „Die Strafe geht in Ordnung, aber böse Absicht war es nicht. Der Spieler hat sich genau in dem Augenblick hinter unserem Tor Richtung Bande weggedreht, als in Jakub gecheckt hat und der hatte dann selbst fast Tränen in den Augen, weil er Sonntag gesperrt ist“.
Den entscheidenden Treffer 63 Sekunden vor Schluss hat Brenninger nur so in Erinnerung, „dass Pegnitz gedrückt hat wie verrückt und mein Bruder Flo einen Pass auf die lauernden Stach und Miculka gespielt hat und Lukas nicht mehr aufzuhalten war und mir jetzt noch die Hand weh tut, so habe ich gegen die Bande geschlagen“. Brenninger zu den Minuten vorher: „Ich habe nach dem Treffer zum 5:5 eine Auszeit genommen und den Jungs gesagt, wenn wir die letzte Strafzeit jetzt killen und diese überstehen, dann gewinnen wir, selbst wenn es in die Verlängerung geht“. Ab Spielzeit 55:02 waren die Eispiraten wieder komplett.
Von der Wahnsinns-Stimmung war auch Reiner Geier beeindruckt: „Gefühlt vom sechsjährigen Enkel bis zum 76-jährigen Opa feuerten da alle an und unser Betreuer Sascha Killinger mit rund 30 Schlägern wurde nach Spielschluss auf dem Weg zur Kabine von einem älteren Herrn auch noch geschubst“.
Verfasser: HELMUT FINDELSBERGER/Erdinger-Dorfener Anzeiger





