Nachruf: Bewegende Trauerfeier für Jakob Pelkermüller: 500 Trauernde begleiten Eltern bei schwerstem Gang

Die ersten Trauergäste sitzen schon eine halbe Stunde vor Beginn der Trauerfeier für Jakob Pelkermüller in der Pfarrkirche Maria Dorfen, sie verfolgen die Bilder, die auf einer großen Leinwand abgespielt werden. Viele haben Tränen in den Augen, manchen huscht aber auch ein Lächeln übers Gesicht, wenn sie ihren Jakob mit einem riesigen Fisch in den Händen, verkleidet mit einer Zopfperücke, als glühenden 1860-Fan oder beim Feiern mit Freunden sehen.

Jakob Pellerkermüller, der kommenden Dienstag seinen 25. Geburtstag gefeiert hätte, ist am Hemadlenzn-Tag bei einem Unglück am Bahnhof ums Leben gekommen. In ganz Dorfen und darüber hinaus wird um den lebensfrohen und empathischen jungen Mann getrauert.

Er war immer für die anderen da

Mittlerweile hat sich die Kirche gefüllt, vor allem mit jungen Menschen, viele mit einer weißen Rose in der Hand. Sie halten sich fest, umarmen sich und spenden sich gegenseitig Trost, denn noch immer wollen sie nicht glauben, was da passiert ist. „So viele Fragen tun sich auf“, sagt auch Pater Stephan, „Fragen nach dem Warum?“ Der Geistliche wolle gar nicht versuchen, tröstende Worte zu finden, zu sehr würden sie nach Vertrösten klingen. Er sei ebenso ratlos und versichert: „Ich fühle mit euch, aber Jakob bleibt in eurem Herzen, die Liebe ist stärker als der Tod.“

„Jakob verfügte über die seltene Mischung aus Talent und Hilfsbereitschaft“

Der Verstorbene muss ein besonderer Mensch gewesen sein, das wird in allen Nachrufen deutlich. „Jakob verfügte über die seltene Mischung aus Talent und Hilfsbereitschaft“, beschreibt ihn Elfriede Schießleder, Religionslehrerin an der Berufsschule Altötting, in einem Gespräch mit der Heimatzeitung.

„Ohne die Motivation von Jakob hätte ich im ersten Jahr schon hingeschmissen.“

Bei der Trauerrunde am Tag nach dem Unglück habe ein Mitschüler verraten: „Ohne Jakob hätte ich nie den Unterschied zwischen Strom und Spannung verstanden.“ Ein anderer habe sogar gemeint: „Ohne die Motivation von Jakob hätte ich im ersten Jahr schon hingeschmissen.“ Mit seinen Kollegen hat er vor Kurzem die Gesellenprüfung zum Elektriker absolviert. Jakob nach zweieinhalb Jahren Lehre, weil er seine Laufbahn am Gymnasium Dorfen mit dem Abitur abgeschlossen hatte.

„Er hat einen Schnitt von 1,1 – das beste Zeugnis, das ich je schreiben durfte“

„Er hat einen Schnitt von 1,1 – das beste Zeugnis, das ich je schreiben durfte“, wie sein Berufsschullehrer bei der Trauerfeier betont und für das Jakob mit dem Staatspreis der Regierung von Bayern ausgezeichnet worden wäre. Doch es seien nicht die Noten, die seinem Lehrer in Erinnerung bleiben würden, es sei seine außergewöhnliche Hilfsbereitschaft: „Wenn einer was nicht verstanden hat, hat Jakob sich mit ihm hingesetzt und ihm alles nochmals erklärt.“

Der talentiert „Herr Professor“

Seine Begabung habe sich schon in früher Kindheit bemerkbar gemacht, wie die Familie in seinem Lebenslauf schreibt, den Pater Stephan vorträgt. „Jakob war ein wissbegieriger und intelligenter Junge“, weshalb er von der Familie, mit der er innig verbunden war, liebevoll „der Professor“ genannt wurde.

Seine Hobbys waren das Fischen und Eishockey beim ESC Dorfen, für den er in der 1b spielte. Mit einem Spalier im Trikot und berührenden Worten verabschiedet sich sein Team von ihm: „Wir haben zusammen gelacht, geweint und gefeiert. Wir sind mit der Mannschaft quer durchs Land gereist und hätten noch so viele Abenteuer mit dir geplant, aber wir sind sicher, dass du auch so bei uns sein wirst.“

„Du bist nicht mehr da, wo du mal warst, aber du bist überall dort, wo auch wir sind“, ist sich auch seine Clique sicher. PJ, wie Jakob von seinen Freunden genannt wurde, sei ein liebenswerter Mensch gewesen, dessen Lebensfreude ansteckend war. Für jeden Spaß sei er zu haben gewesen, aber auch bei Problemen stand er seinen Freunden ernsthaft zur Seite.

Sein Lieblingslied wurde zum Abschiedslied

Seine Lebensfreude sollte wohl auch das Lied „Das Leben ist schön“, von Sarah Connor verdeutlichen, das Christine Pflanzelt ebenso wie „Amoi seng ma uns wida“ und Bachs „Ave Maria“ sehr berührend sang, „Crockett’s Theme“, die Titelmelodie von Miami Vice, hörte Jakob immer mit seinem Bruder Florian auf dem Weg zum Fischen, gestern war es sein Abschiedslied, bevor seine Mutter, begleitet von seinem Vater, den fünf Geschwistern und 500 Trauernden, die Urne zum Familiengrab trug.

Text & Bild von Alexandra Anderka – Münchener Merkur / Dorfener/Erdinger Anzeige

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